Denis
 
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Trainingsphilosophie
1. OL besteht aus drei Komponenten - Laufen, O-Technik, Mental

Ein guter OL-Läufer muss drei unterschiedliche Bereiche beherrschen. Schnelles Laufen ist Grundlage für gute Leistungen. Wenn man das jedoch auf der Karte nicht umsetzen kann, hilft das alles nicht viel. Eine Minute schneller zu laufen erfordert eine ganze Menge Training, eine Minute weniger Fehler zu machen ist da schon einiges einfacher - wenn es auch mental stimmt. Am Tag X  ist für mich die mentale Leistungsfähigkeit als der entscheidende Faktor. Natürlich, wenn die läuferische Form nicht stimmt oder man mit dem Gelände nicht zurecht kommt, hat man ein Problem. Wenn aber diese Grundlagen stimmen, geht es darum, daraus das Optimum herauszuholen. In der letzten Woche vor einem wichtigen Wettkampf ist für mich das mentale Training klar das wichtigste. Ich bin der Meinung, dass mentale Stärke trainierbar ist wie Laufen und O-Technik. Sich auf das eigene Laufkonzept konzentrieren zu können, jede Sekunde, sich durch nichts vom Weg abbringen lassen, das ist nicht einfach, wenn man den wichtigsten Lauf des Jahres läuft, einem Tausende von Zuschauern dabei zuschauen oder man mutterseelenallein im Dickicht steht, nicht mehr weiss wo man ist und die Sekunden zerrinnen fühlt. Thierry Georgiou sagte nach seinem WM-Titel in der Schweiz, "zehn Sekunden vor dem Ziel habe ich erstmals daran gedacht, dass ich Weltmeister werden könnte" (Dabei hat er den Qualifikationslauf mit 2min Vorsprung gewonnen). Petter Thoresen (Weltmeister '89,'93,'97) sagte einmal: "Vor allem anderen ist OL die Fähigkeit, sich jede Sekunde voll und ganz auf seine O-Technik konzentrieren zu können".

Alle drei Bereiche hängen zusammen, jeder beeinflusst den anderen. Technisch läuft es sich einfacher, wenn man viel Selbstvertrauen hat. Wiederum steigt die Motivation und das Selbstvertrauen, wenn man sich physisch gut fühlt und das Gelände im Griff hat. Wie ein Triathlet vor allem auch die Wechsel zwischen den Disziplinen trainieren muss, müssen auch wir OL-Läufer alle drei Bereiche einzeln und vor allem im Zusammenspiel trainieren.

 

2. Mehr ist mehr...

Grundlage sportlichen Erfolges ist natürlich auch im OL ein genügend grosser Trainingsumfang. Ich versuche immer, ans Limit zu gehen, meine Grenzen auszureizen. Je nach Umfeld (Studium, Beruf, Krankheit, etc.) sind diese Grenzen nicht jeden Tag gleich. Ich versuche, aus jedem Tag das Optimum herauszuholen. Zwischendurch muss man mal so richtig kaputt sein, sonst macht man zuwenig. Allerdings habe ich schon einige Verletzungen gehabt in meiner Karriere. Deshalb bin ich auch etwas vorsichtiger geworden, und kann manchmal nicht genau abschätzen, wo die Grenzen nun wirklich sind. Aber Spitzensport ist eine Gratwanderung.

 

3. ...aber manchmal ist weniger mehr

Meine besten Resultate habe ich oft dann erzielt, wenn ich längere Zeit verletzt war und nur wenig OL machen konnte. Warum? Einerseits war ich physisch vielleicht erholter als andere Male, wo das Training nach Plan verlief. Vor allem aber war ich im Kopf erholt. Ich war richtig heiss auf OL, jede Sekunde hochkonzentriert, wach auf der Karte, bereit zu leiden, alles zu geben. Wenn ich viele Wettkämpfe gemacht habe, dann verliere ich relativ schnell die Lust am OL und bin nicht mehr mit der selben Motivation, Konsequenz und Leistungsbereitschaft am Start. Natürlich ist das alles sehr individuell, es gibt Leute, die brauchen viele Wettkämpfe, um die technischen Abläufe im Wettkampftempo zu justieren. Ich muss in erster Linie im Kopf bereit sein, und das bin ich, wenn ich Lust auf OL habe. Wie hat doch Tom Bührer gesagt nach seinem WM-Titel im Eschenberg (nach 5-monatiger Verletzungspause): "ich hatte heute richtig Lust durchs Grüne zu gehen und zu leiden!"

 

4. Geländespezifische Vorbereitung ist wichtig

Um Erfolg zu haben, muss man den spezifischen Geländetyp, in dem der Zielwettkampf stattfindet, im Griff haben (Training im Gelände wo der Wettkampf stattfinden wird ist verboten). Man muss intuitiv wissen, wo es sich am einfachsten läuft (wo es Wildwechsel hat, ob die Belaufbarkeit auf dem Hügel oder daneben am besten ist, etc.), oder wie man einen Posten am einfachsten/schnellsten/sichersten anläuft. Mir hilft es enorm, wenn ich auf eine Karte schaue und ich weiss, wie es im Gelände aussehen wird. Das verleiht mir eine grosse technische Sicherheit. An der WM 2003 im Bündner Gelände oder auch an der WM 2001 in Tampere hatte ich dieses Gefühl. Wenn man das hat, dann kann eigentlich gar nicht viel passieren. Um diese Intuition  zu bekommen, sich zu Hause zu fühlen, muss man viele Trainings im entsprechenden Geländetyp machen, am besten auf Karten vom Aufnehmer, der auch am Zielwettkampf die Karten macht.

 

5. Mit Alternativtraining kann man weit kommen

"Wer mehr läuft, läuft schneller".  Diese Regel hat natürlich ihre Berechtigung, und da OL ein Laufsport ist, kommt man darum nicht herum. Laufen kann aber auch des öftern zu Verletzungen führen. Auch ich habe meinen Anteil an Verletzungen gehabt und deshalb meine Erfahrungen mit Alternativtraining gemacht. Ich bin nach längeren Verletzungspausen mit praktisch ausschliesslich Alternativtraining schon sehr sehr gut in Form gekommen. Bis 4 Monate vor der WM Schweiz habe ich wegen diversen Verletzungen ein Jahr lang 70% meines gesamten Trainings in Form von Bike/Spinning, Langlauf und Krafttraining gemacht. Marie-Luce Romanens oder Jimmy Birklin (Sprint-Weltmeister 2001) haben immer wieder gezeigt, wie schnell man im OL sein kann mit Alternativtraining. Es braucht mehr Zeit und manchmal auch spezielle Motivation, aber in solchen Situationen zeigt sich auch, was man bereit ist zu investieren. Weil ich gute Erfahrungen gemacht habe, ist bei mir der Anteil an Alternativtraining, gemessen am gesamten Training, meistens relativ hoch. Zudem schöpfe ich eine grosse Motivation aus langen Radtouren oder Langlauftrainings. Ich bin auch der Meinung, dass im OL weniger laufspezifisch trainiert werden muss als in anderen Laufsportarten wie Marathon oder Bahn.