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WM-Quali
2004-09-21
 

Mit grossen Ambitionen bin ich an die WM in Schweden gereist. Dieses Jahr insgesamt dreieinhalb Monate Aufenthalt in Schweden im Sack für dieses Ziel. Die physische Verfassung sehr gut, wie die Testrunde zuhause in Bonstetten fünf Tage vor der WM-Quali gezeigt hat: nur ein paar Sekunden über der persönlichen Bestzeit. Da diese Runde alles auf Wegen ist und ich aber hauptsächlich im Gelände trainiert habe, schätze ich meine Leistung noch höher ein. Am Freitag nach Ankunft in Schweden ein lockerer DL, ich fühle mich sehr gut. Am Samstag steht der Musterlauf an, ein kurzes Training auf einer Karte, die sehr relevant (gleicher Geländetyp, gleicher Kartenaufnehmer) sein soll. Ich will etwa 20min im Wettkampftempo laufen, das Feeling für die Karte und das Gelände ein letztes Mal spüren. Aber es ist wie verhext. Ich finde am Anfang kaum einen Posten auf Anhieb. Ich bringe die Karte mit dem Gelände nicht in Einklang, kann die Richtung mit dem Kompass nicht halten. Nach einigen weiteren Versuchen geht es dann besser, aber ich bin verunsichert. Was ist los?? Ich versuche es als Warnung zu nehmen, dass das Gelände es in sich hat und keine Fehler verzeiht. Man muss immer wissen wo man ist, sonst wird es schwierig, die Richtung muss stimmen. Jeder Posten muss solid erarbeitet werden, nichts kommt einfach von selbst. Ich versuche mir das immer und immer wieder einzuhämmern, sage mir, was ich tun muss um einen Posten zu finden. Bis zum Quali am Montag glaube ich wieder daran, fühle mich bereit. Trotzdem ist das Gefühl nicht ganz so, wie ich es normalerweise vor sehr guten Leistungen habe. Das letzte Selbstvertrauen fehlt irgendwie. Aber wenn ich eine solide Leistung zeige, dann sollte es in den Final reichen, und dann habe ich nochmals fünf Tage, viel Zeit, um mich mental darauf einzustellen.

Beim Einlaufen fühle ich mich sehr gut. 'Konzentriere dich auf deine Aufgabe, das ist alles was du tun musst'. Der Start gelingt mir recht gut. Ich komme nicht gleich voll auf die Karte, aber ich konzentriere mich darauf, die Richtung zu halten und von Objekt zu Objekt zu laufen, was mir gut gelingt. Die ersten vier Posten laufe ich fehlerfrei an, laufe dabei sehr auf sicher. Zum fünften Posten sehe ich als erstes die Kulturgrenze - 'hier kannst du mal etwas zulaufen'. Ich will bis zum Spickel laufen, dann über den grossen Stein via Hügel zum Posten, das ist der Plan. Ich laufe zu, und bin für einen kurzen Moment unkonzentriert. Der Spickel in der Kulturgrenze ist nicht ganz eindeutig, und ich weiss nicht mehr, ob ich nun schon zu weit bin oder nicht. Ich entscheide mich für die dümmste aller Möglichkeiten, ins Grüne rein ohne genau zu wissen wo ich reingehe. Einfach der Kulturgrenze nach weiterlaufen wäre intelligenter gewesen... jedenfalls will ich nun Richtung zulaufen, den grossen Stein sehen und dann auf der geplanten Route weiterlaufen. Ich komme auf einen kleinen, offenen Sumpf - gut, das muss derjenige gleich nördlich vom grossen Stein gewesen sein. Wenn ich nun auch den grossen Stein sehen könnte, wär ich mir allerdings noch etwas sicherer... Jetzt mit dem Kompass ganz genau die Richtung halten und alles kommt gut. Schön wär's. Ich kann gar nichts mehr heimtun auf der Karte, mache sozusagen Kompassblindflug. 'Im Zweifelsfalle die Richtung halten und weiterlaufen und allenfalls hinter dem Posten zu einem klaren Objekt kommen', ist Lösungsansatz Nr. 1 in meinem Plan wenn ich einen Fehler mache. Laut diesem müsste ich auf den grossen Sumpf hinter dem Posten kommen. Tu ich aber nicht. Gut, nicht die Nerven verlieren, einfach wieder zurück ohne eine Ahnung zu haben wo ich bin bringt auch nichts, also noch etwas weiterlaufen. Doch ich kann mich beim besten Willen nirgendwo auffangen. Es hat x Steine, Felsen, Hügel, auf der Karte ist nicht viel, sich daran auffangen ist fast hoffnungslos. Schlussendlich bin ich auf einem Hügel fast 200m vom Posten weg. Jetzt kommen auch die ersten Gedanken, dass ich die Qualifikation verpassen könnte. Ich glaube den grossen Sumpf zu erkennen und laufe darin in Richtung Posten. Wieder nichts. Ich weiss nicht mehr was ich tun muss, um den Posten zu finden. Bis jetzt habe ich andere Läufer einfach ignoriert, doch jetzt weiss ich nichts mehr anderes, als einem Südafrikaner, der 10min vor mir gestartet ist, nachzulaufen. Er sieht ziemlich zielstrebig aus. Diese Lösung ist zwar die letzte und wohl schlechteste aller Lösungen, aber ich weiss keine andere mehr. Und siehe da, der Posten kommt und für mich gibt's nur noch eins: Angriff total. Grobe Fehler bleiben aus, ich kann die Richtung allerdings nicht immer halten und laufe etwas mit der Brechstange, was wohl die eine oder andere schlechte Mikroroutenwahl zur Folge hat. Dafür weiss ich, dass ich nochmals alles gegeben und probiert habe; man weiss ja nie. Wie erwartet hat es aber natürlich nicht gereicht für eine Finalqualifikation. Sechs Minuten hat mich der Fehler gekostet, achteinhalb Minuten ist der Rückstand auf den Sieger. Die sechs Minuten abgezogen ergäben den 6. Rang, mit 3-4 Min. Fehler wäre ich immer noch dabei.

--> Karte Mittel-Quali

--> Karte Mittel-Final

Die Enttäuschung ist sehr gross, weniger über die verpasste Quali als ganz einfach darüber, dass ich einen sehr schlechten Lauf gemacht habe und zu wenig cool war in den entscheidenden Momenten. Mir ist noch nicht ganz klar, wie es dazu kommen konnte. Erste Erklärungen, die ich habe: das letzte Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Sicherheit auf den hiesigen Karten war nur 80-90% und nicht 100%. Schon im WM-Trainingslager hatte ich einige Schwächen gezeigt, erklärte mir diese aber mit Müdigkeit und zu wenig Konzentration und nicht mir einer generell fehlenden Sicherheit. Schon oft war das der wirkliche Grund und auch die richtige Erklärung, um nicht unnötig lange daran herum zu hirnen und Energie zu verschwenden. Diesmal wohl nicht. Nur schade, dass ich erst jetzt diese Erkenntnis habe. Aber hoffentlich kann ich daraus etwas lernen und es beim nächsten Mal noch in die richtigen Bahnen lenken.

Meine Zielsetzung war, in die ersten 15 zu laufen. Mit einer soliden, guten Leistung wäre das durchaus möglich gewesen. Mit einer Topleistung vielleicht auch ein Rang in den ersten 10. Wäre. Dafür hat Matthias Merz die Kohlen aus dem Feuer geholt für uns Männer mit einer sensationellen Leistung und dem 8. Rang. Heja Mätthu!

Somit habe ich die WM hauptsächlich als Zuschauer erlebt. Es waren spannende Wettkämpfe, OL mit gutem Speaker, Zwischenzeiten und Videowand macht auch beim zuschauen Spass! Als nächstes folgen nun die Sprint- und die Langdistanz-SM in Frauenfeld am nächsten Wochenende. Manchen OL habe ich noch nicht gemacht in der Schweiz dieses Jahr, mal schauen ob ich die Mittellandwälder noch im Griff habe. Die Form ist aber immer noch da, nun möchte ich sie auch noch mal umsetzen können!

 

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