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WM-Testläufe
2004-08-27
 

Jetzt endlich galt es so richtig ernst - die WM-Testläufe standen an! Sie fanden in Schweden statt, in der Region wo dann auch die WM über die Bühne gehen wird. Damit versucht man, die Bedingungen so ähnlich wie möglich jenen der WM zu machen, so dass das WM-Team aus Leuten besteht, die gezeigt haben, dass sie das schwedische Gelände im Griff haben. Da an der WM nur drei Athleten pro Nation pro Disziplin starten dürfen, stellt sich relativ früh die Verteilung der Einsätze. Bei 12 (Herren-)Startplätzen für 6-7 Athleten wird niemand alles laufen können. Deshalb wird auch bereits pro Disziplin selektioniert, weshalb nicht alle Testläufe gelaufen werden müssen. Da ich keine WM-Sprint Ambitionen hatte, entschied ich mich, auf die beiden Sprint-Testläufe zu verzichten, mit dem Ziel, erholter Mittel- und Langdistanz laufen zu können.

 

Mitteldistanz, 25.8.04: Ich fühlte mich von Beginn weg sehr sicher auf der Karte, konnte mit grossem Selbstvertrauen zulaufen, unkompliziert und zielstrebig. Technisch und mental gibt es an diesem Wettkampf nichts auszusetzen, ich kann mich an keine richtigen Fehler erinnern. Einzig von Posten 15-16 verliere ich gut 30'' auf die schnellsten Schweizer, was ich mir nicht ganz erklären kann. Die Passage über den Kahlschlag durchs Grüne war sehr schlecht belaufbar (5'13), Matthias Merz (4'47) oder auch Andi Müller (4'35) liefen rechts ums Grüne, was anscheinend deutlich schneller ist. Aber Daniel Hubmann (4'39) lief eher etwas links vom Strich auch deutlich schneller, obschon es aus der Karte nicht unbedingt ersichtlich ist. Wahrscheinlich habe ich mit meiner Route einfach ein bisschen Pech gehabt. Läuferisch fühlte mich mich gut, allerdings nicht so spritzig wie erhofft. Ich musste immer pushen, mich quälen, es lief nicht von alleine. Trotzdem war ich schlussendlich überrascht, dass mit dieser Leistung noch fünf andere Schweizer vor mir lagen, wenn auch nur knapp. Doch ich denke, es wurde allgemein auf einem hohen Niveau gelaufen. Die Tschechen hatten gleich nach uns ihren Testlauf auf der selben Bahn, wobei Michal Horacek, sicherlich eine Referenz, in etwa dieselbe Zeit lief wie Matthias Merz (35'14) und Vladimir Lucan und Michal Jedlicka, auch bekannte Läufer, gleich schnell waren wie ich (36'25). Die Schweden hatten ihren Selektionslauf im selben Gelände, der Sieger Jörgen Olsson benötigte für eine fast gleich lange Bahn 34'57 (wenn auch der eine oder andere Posten etwas schwieriger gewesen sein dürfte), fünf Läufer blieben unter 36 Minuten. Das stimmt zuversichtlich.

--> Karte Mittel

 

Langdistanz, 27.8.04: Der 6. Rang in der Mitteldistanz war zwar gut, aber nicht gut genug, um mir ein WM-Ticket schon sichern zu können. Es musste also nochmals eine sehr gute Leistung her im heutigen Langdistanzlauf. Ich erwartete ein hartes Rennen in hartem, grünem, steinigem und schwierigem Gelände. Es würde ein Kampf werden! 15,4km 500m Steigung, Richtzeit 90'. Das mit den 90 Minuten war für mich etwas gar optimistisch, und so rechnete ich mit mindestens 95'. Auch die Lauftechnik musste ein bisschen geändert werden. Während im Gelände vom Mittel die gerade Strichroute eigentlich immer die Schnellste und sicher nie die Langsamste ist, lohnen sich im Langdistanzgelände öfters auch Umlaufrouten. Zudem wurde auf einer 15'000er Karte gelaufen, die gerade in Schweden oft stark generalisiert ist, was deshalb im Postenraum besondere Vorsicht erfordert.

Ich fühlte mich schon beim Einlaufen sehr gut und konnte deshalb von Beginn weg angriffig und aggressiv laufen. Vielleicht ein bisschen zu viel des Guten, lief ich doch schon zum ersten Posten eine schlechte Route und war erst beim ersten Posten richtig auf der Karte. Ab da lief es aber gut. Zu 4 etwas wenig Selbstvertrauen im Postenraum, viel herumstehen und zögern, was mich 30''-1' kostet. Zu 5 war für mich sofort klar, dass man hier links umlaufen muss, 'wenn es einen Weg so nahe vom Strich gibt, dann nehme ich ihn!' Und gross war die Überraschung, als ich den 5. Posten zusammen mit Matthias Niggli (3' vor mir gestartet, verlor viel Zeit zu 5 mit schlechterer Route rechts und Fehler im Postenraum) stempelte! Dies motivierte mich nochmals zusätzlich und ich gab noch mehr Gas - und machte noch mehr kleine Fehler und Bögen. Mätthu lief etwas langsamer als ich, aber schlussendlich waren wir jeweils wieder gleich auf... Ich wusste, dass ich mit dieser Lauftaktik ein Problem haben würde im Schmetterling bei Posten 10-16, den ich alleine würde laufen müssen, da wir eine andere Schlaufenreihenfolge haben. Ich versuchte deshalb schon zu 10, einen Gang zurückzunehmen und genauer Karte zu lesen, aber es kam wie es kommen musste und ich suchte Posten 11 prompt eine gute Minute. 'So, und jetzt wird wieder OL gemacht!' sagte ich mir, wonach ich zwar keine groben Fehler mehr gemacht habe auf dem Schmetterling, aber nie ein gutes Gefühl bekam und oft kleine Bögen machte und zögerte. Die Zwischenzeiten sagen es knallhart: 11' für Mätthu, 14' für mich. Auch ohne Fehler hätte ich keine Chance gehabt gegen Mätthu, er lief wirklich souverän und ich hatte grosse Probleme im grünen Gelände mit generalisierter 15'000er Karte und kurzen Posten. Jedenfalls war nun klar, dass ich ab jetzt wieder alleine laufen würde, und ab da hatte ich mich auch wieder besser im Griff. Ich fühlte mich auch nach 85' noch bärenstark und konnte attackieren - ein super Gefühl! Zum zweitletzten Posten machte ich nochmals eine Minute Fehler und wurde etwas nervös, 'vermassle ich mir damit noch die WM-Selektion?'. Der Fehler hier war ein klassischer Fall von fehlendem Vertrauen in die Karte: ich stand bei einem riesigen Stein 70m westlich vom Posten und konnte aber nicht wirklich sagen, wo der Stein auf der Karte ist. Manchmal sind solche Steine auch nur mit einem kleinen Punkt dargestellt, weshalb ich plötzlich glaubte, dass es vielleicht ein anderer Stein direkt unter dem Strich ist. Auf das Grüne ist kein Verlass. Über die Qualität der Karten um Västeras lässt sich endlos diskutieren (Janne Salmi z.B. hat eine ziemlich klare Meinung dazu), ich würde es mal so sagen: wenn man immer schön auf der Route ist und alles stimmt, dann sind sie gut. Stimmt es mal nicht mehr, dann wird es oft sehr schwierig, sich wieder aufzufangen, manchmal schwieriger als nötig... Die Karten sind nicht prinzipiell schlecht, sie sind einfach anders. Soviel zu meinem Statement zu diesem Thema. Man kann lernen, sich damit zurechtzufinden, indem man mit diesen Karten trainiert, was ich auch oft gemacht habe. Es ist aber auch zu sagen, dass z.B. die Mitteldistanzkarte sehr gut war und ich überhaupt keine Zweifel habe, dass die WM-Karten top sein werden.

Zum Schluss reichte es zum 3. Rang, 3' hinter Mätthu Niggli, der ab Posten 10 ein starkes Rennen lief und uns keine Chance liess. Ich bin mit dem Lauf zufrieden, trotz 4-5' Fehler. Klar, ich hätte mehr auf sicher laufen und damit vielleicht etwas weniger Fehler machen können, aber in solchem Gelände kann man auch schnell Zeit verlieren, wenn man zuwenig offensiv läuft. Sehr positiv war für mich die läuferische Leistung: 1h47'04 lang keine Krise und ein guter Zug. Nicht zufrieden bin ich, wie ich mich bei Gegnerkontakt verhalten habe und die Konzentration auf meine Aufgabe vorübergehend verloren habe. Daraus folgen auch die technischen Fehler. Daran will ich bis zu WM noch arbeiten.

 --> Karte Lang

 

Fazit: zwei gute Läufe, womit ich mich für die WM selektioniert habe. Nach den Selektionsläufen hatte ich eher mit einem Einsatz in der Langdistanz gerechnet, werde aber nun über die Mitteldistanz antreten. Hat es sich gelohnt, den Sprint auszulassen? Ich glaube ja, denn es hätte einiges passieren müssen, damit ich an der WM überhaupt im Sprint laufen würde, da ich ich meine Chancen in Lang und Mittel auch an der WM als grösser einschätze. Deshalb erachte ich die Konzentration auf Mittel und Lang als richtig.

Ich fühle mich bereit für die WM!

 

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