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R'ADYS
2005-08-16
 

Bevor ich vom R'ADYS berichte: HERZLICHE GRATULATION dem WM-Team!!! Sensationell was ihr in Fernost geleistet habt! 

 

Zwei Tage sind nun vergangen, die Schmerzen in den Oberschenkeln verschwinden langsam, und die allgemeine Müdigkeit weicht wieder einer gewissen Frische - klassische Marathon Nachwehen halt. Am vergangenen Wochenende habe ich zusammen mit Andi Müller am R'ADYS Mountain Marathon teilgenommen. Nach der verpassten WM-Quali war der Entschluss dazu in einer fröhlichen Minute zu später Stunde am 5-Tägeler im Tessin gefallen, aber ich bereue es überhaupt nicht. Es war zwar hart, aber mal was ganz neues, wo ganz andere Qualitäten als sonst gefragt sind. Für beide von uns war es der erste Wettkampf dieser Art (mal abgesehen von meinem KIMM-Abenteuer vor 5 Jahren...), und so wussten wir nicht so recht wie der Lauf einzuteilen ist, wie man sich am besten verpflegt, was das beste Material ist, und, und, und.

Der Wetterbericht verhiess einigermassen gutes (schön am Samstag, dann Regen ab Sonntag Mittag), aber der strömende egen am Samstag Morgen stellte die Motivation dann schon erstmals auf eine harte Probe... dichter Nebel und leichter Regen am Start erschwerten das Laufen zusätzlich. Aber von da an blieb es trocken, wenn auch ziemlich kalt und alles andere als sonnig, bis am Sonntag Mittag - nochmals Glück gehabt!

Laufanalyse Samstag (Route Pink)

Start-1: wir machen bereits den ersten Fehler und zeichnen die ganze Bahn ein (gegeben sind lediglich die Koordinaten der Posten). Damit verlieren wir bereits 7min und den Kontakt zur Spitze - die später siegreichen Engländer sehen wir das ganze Wochenende nie mehr während des Laufes.

1-2: Route. Ich habe grossen Respekt vor dem Laufen in den Hängen, in denen es oft Geröll und Steine hat. Deshalb entscheiden wir uns für die Umlaufroute über Weissfluhjoch anstatt für die Route rechts, auch weil wir noch nicht wirklich abschätzen können, wieviel Distanz mehr man tatsächlich macht auf der 25'000er-Karte. Die mittlere Route über Weissfluhjoch und dann via Punkt 2512 sehe ich gar nicht - solche Felsen sind für mich unpassierbar. Kurz vor dem 2. Posten kommen uns Thomas Häne und Stefan Hüsler entgegen, das heisst also, wir liegen bereits etwas zurück. Ich würde den Zeitverlust wegen der schlechteren Route auf gut 5min schätzen. Ich weiss nicht, was tatsächlich das beste ist, aber unsere Route ist mit 8km/600Hm deutlich länger als die Route ganz links via Punkt 2521 mit 6km/450Hm, obschon die Belaufbarkeit sicher besser ist.

2-3: Route. Um Steigung zu sparen, laufen wir über Strelapass. Im Aufstieg erfahren wir, dass wir ca. 15' Rückstand haben auf Fabian Hertner / Stefan Lombriser! Das und die Tatsache, dass wir etwas schneller laufen als Stefan und Thomas, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Route zu 2 nicht optimal war. Also können wir wohl ab jetzt etwas direkter laufen. Vielleicht wäre die direkte Route zu 3 über Chüpfer Tälli (6km/700Hm vs. 8,5km/450Hm via Strela) auch schneller gewesen, jedenfalls verlieren wir weitere 7min auf die Führenden, obschon wir hier mit einem guten Zug laufen. Andi hat eine erste kleine Krise - Powerriegel essen und etwas Gepäck umladen schaffen vorübergehend Abhilfe.

3-5: Mühsam zum laufen im Hang. Aber wir kommen gut vorwärts. Andi kämpft sich hoch zu 5... Vor Posten 5 kreuzen wir die Teams Hertner/Lombriser und Jeanneret/Gisler - damit haben wir schätzungsweise schon 15min Rückstand! Etwas viel, aber wir sind ja erst drei Stunden unterwegs und entschieden wird ein solcher Lauf so ab Stunden 4-5...

5-6: Route. Wir entscheiden uns für die direkte Route (8,5km/800Hm). Eine 700er-Wand ist zwar hammerhart, aber der Weg über Strelapass/Weissfluhjoch ist dann doch etwas gar weit (13,5km/550Hm). Zudem ist der Posten auch mühsam anzulaufen auf dieser Route. Wie sich im Ziel zeigen wird, ist dies ein sehr weiser Entscheid. Obschon ich zu Beginn des Aufstiegs und Andi weiter oben kleinere Krisen haben, laufen wir auf dieser Route klare Bestzeit. Rechts über Weissfluhjoch ist eine Viertelstunde langsamer. Damit können wir Jeanneret/Gisler und Hertner/Lombriser, die einbrechen, überholen und den Rückstand auf die Führenden verringern.

6-7: Um Steigung zu sparen, laufen wir via See und dann um den Hügel zum Posten. Weil das Gelände zwischen letztem und zweitletztem Posten sehr schlecht zu belaufen ist, verlieren wir nochmals etwas Zeit. Aber das sind halt die 25'000er-Ungenauigkeiten, mit denen man mal Glück und dann wieder Pech haben kann.

 

Fazit Tag 1: 25km 2500Hm. Nach schwächerem Start laufen wir ein gutes und konstantes Rennen. Mir ist es bis auf die kurze Krise zwischen Posten 5 und 6 die ganzen sechs Stunden sehr gut gelaufen. Ich fühlte mich jederzeit stark. Andi erwischte einen etwas schwächeren Tag und musste ein paar Mal auf die Zähne beissen... aber er ist ja bekannt für seinen Kampfgeist!!

 

Im Camp

Das Rennen beginnt eigentlich erst, wenn man nach der ersten Etappe im Camp ist. Das pflegen zumindest einige Cracks zu sagen, wobei ich dem nur zustimmen kann. Zelt aufstellen, Kochen und dann schon bald wieder schlafen gehen - das alles ist ok, solange es nicht regnet! Wie bereits gesagt wurden wir von Regen verschont, im Gegenteil, eine sternenklare aber bitterkalte Nacht mit Minustemperaturen erwartete uns! Jetzt war ich zum ersten Mal froh, dass wir ein etwas besseres aber schwereres Zelt dabei hatten. Soll mir mal einer sagen, wie es möglich ist, wie die Engländer mit 3,5kg Gepäck eine solche Nacht zu überleben?! Ausser beim Zelt und der Zahnbürste wüsste ich beim besten Willen nicht, wo wir unsere je 5,5kg noch minimieren könnten. Vielleicht mehr Fettreserven anlegen vorher?

Obschon ich warm hatte, mussten knappe zwei Stunden im Halbschlaf reichen für den 2. Tag. Als ich morgens um 2 kurz aufs Klo musste, hätte ich am liebsten die Sachen gepackt und wäre wieder gestartet - es wäre angenehmer gewesen, als nochmals 3 Stunden völlig gerädert im Zelt zu liegen...

 

Laufanalyse Sonntag  (Route Blau)

Start-1: Kurz nach 7 Uhr geht es also wieder los, diesmal bei strahlendem Sonnenschein aber immer noch grosser Kälte. Higginbottom/Higginbottom liegen 23min vor uns, Powell/Powell 12min. Der erste Posten steht eher komisch und so verlieren wir 5min mit einer Suchaktion. Andere Teams verlieren sogar 10min.

1-2: Route. Wir wählen die Route über die Strassberger Alp. Wir kommen gut vorwärts, haben aber bei Posten 2 bereits 10min verloren auf die Teams vor uns! Es scheint, dass sie einfach schneller starten als wir. Im Nachhinein erfahre ich, dass sie mehr auf dem Grat und weniger auf dem Hang gelaufen sind. In unserer Hangroute muss zumindest ein Teil dieser Zeit liegengeblieben sein.

2-6: wir kommen erneut gut vorwärts, die Routen sind gut. Wir haben bis jetzt noch keines unser gegnerischen Teams gesehen. Andi hat etwas Probleme mit dem Knie, ich bin müde. Ich hatte vor dem Start zuwenig gegessen und getrunken und muss das jetzt nachholen. Die Sponser-Riegel gehen jedoch nicht mehr so einfach runter...

6-7: Route. Wir entscheiden uns für die direkte Route (4,8km 300Hm), in der Annahme, dass sie gut belaufbar ist. Leider ist dies nicht der Fall, wir kämpfen uns durch Geröll und verlieren wohl mindestens 5min im Vergleich zur Route links auf der Strasse (6,5km 200Hm). Allerdings sehen wir Powell/Powell ca. 10min vor uns, d.h. wir haben also wieder aufgeholt! Wir werden müde, die Beine schmerzen. Auch auf der Strasse bergab hätten wir wohl noch höchstens einen 5er-Schnitt zustande gebracht... Die Sponser-Riegel hängen mir langsam aber sicher zum Hals heraus!

7-8: Route. Zwei Möglichkeiten, über Parsennfurgga oder Gotschna. Sind beide etwa gleichwertig. Wir entscheiden uns für Parsenn, da wir keine Kraft mehr haben, um noch länger quer zu laufen. Allerdings habe ich auch keine Kraft mehr um bergab zu laufen... jeder Schritt wird zur Tortur, die Oberschenkel schmerzen brutal. Andi kann plötzlich aufdrehen und fliegt nur so die Hänge hinunter...

8-Ziel: Route. In Andi's Schlepptau schaffe auch ich es noch hinunter nach Klosters! Zum Schluss noch kurz 1300Hm vernichtet! Im Ziel kann ich noch knapp laufen, jedenfalls solange keine Hindernisse wie Treppen im Wege stehen ;-)

 

Fazit Tag 2:  30km 1700Hm. Wir laufen als 3. ein. Powell/Powell sind wir etwas näher gekommen, auf Higginbottom/Higginbottom haben wir nochmals etwas verloren. Trotzdem bin ich überrascht, dass wir am Sonntag im Vergleich zu den anderen besser gelaufen waren als am Samstag. Anscheinend hatten wir von den Anfängerfehlern (Abzeichnen, etc.) des ersten Tages bereits gelernt, denn es fühlte sich heute deutlich langsamer an, da ich von Beginn weg etwas müde war. Aber es scheint allen gleich zu gehen... Krise hatte ich keine, aber richtig auf Touren kam ich irgendwie nie. Andi hingegen hatte einen deutlich besseren Tag erwischt, so dass wir diesmal sehr ausgeglichen waren und gut harmonierten. Rangliste.

 

Der Abstecher in die Welt der Mountain Marathons hat sich auf jeden Fall gelohnt! Jetzt hoffe ich, dass ich bald wieder fit bin für die diversen Schweizer Meisterschaften Ende August und Mitte September! Dafür hilft hoffentlich das Training der letzten Wochen.

We'll be back!