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Rocking in Slovenia
2005-08-03
 

Am letzten Wochenende war das Linda OK auf Reisen - Dani Zwiker, Stefan Hüsler und ich in Slowenien. Ziel war der orienteeringonline.cup. Nach einer langen Autofahrt am Donnerstag gings am Freitag morgen gleich los mit der ersten Etappe. Kartenauschnitte der letzten Austragungen, Schauergeschichten über Michail Mamleev's 11'/km Schnitt im letzten Jahr, und auch ein paar Auszüge aus den Weisungen liessen einiges erwarten...:

  • "1. leg: the men's elite course will be printed on two maps due to legibility reasons" (und das in einem Mitteldistanzlauf!)
  • "2. leg: the longer classes will traverse the extreme terrain in the north of the map. Please be careful not to fall into one of the deep and rocky pits" (ist ja beruhigend).
  • und noch ein Appell an die Hygiene: "Use the mobile toilets. Please don't just shit around."

Auch die Konkurrenz konnte sich durchaus sehen lassen. Mit den beiden starken Schweden Erik Andersson und Jonas Pilblad und den Tschechen Michal Smola und Jaromir Svihovsky würde es einen harten Kampf geben. Ein Kampf zwischen Leuten, die sich alle nicht für die WM qualifiziert hatten, jetzt in Slowenien ein bisschen Ferien machten und die gute Form, die sie im Moment für nichts anderes brauchen können, ausspielen wollten. Und es auch mal etwas lockerer nahmen... 

 

1. Etappe

Die Information mit den zwei Karten liess auf viele Posten und eine kleine Karte schliessen. Über das Karstgelände hatte ich schon viel gehört - und ich wurde nicht enttäuscht! Viele Steine, aber offener Wald und deshalb doch recht gut belaufbar. Nach einem etwas harzigen Beginn, wo ich erst ein paar Posten brauche, um richtig wach zu werden im Kopf, läuft es technisch immer besser. Läuferisch kommt nach 10 min nicht mehr viel, ich bin etwas eingerostet, der geringe Trainingsaufwand in den letzten zwei Wochen und die lange Autofahrt machen sich bemerkbar. Trotzdem komme ich solide durch, was schlussendlich für den 3. Rang reicht, drei Minuten hinter Erik Andersson, aber noch vor den anderen Favoriten. Gegen Anderssons Zeit habe ich an diesem Tag keine Chance gehabt. Aber er hat wohl nicht einfach so den Langdistanz WM-Testlauf der Schweden im letzten Jahr gewonnen. Super Gelände, eine sehr interessante Bahn, tolles Wetter - was will man mehr?

--> Karte 1. Etappe

 

2. Etappe

Zum Beispiel einen Etappensieg. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Motor nach dem ersten Wettkampf heute wieder besser laufen wird. Zudem ist die 2. Etappe etwas länger (75min), was mir dieses Jahr eher besser liegt. Somit will ich heute wieder mal so richtig angreifen, auch wenn Erik gestern schon ziemlich beeindruckend lief und ich gut laufen muss, um ihn zu schlagen. Und die anderen können ja auch was... das Gelände jedenfalls scheint sehr interessant zu werden - teilweise wunderschöne Alpweiden, dann aber wieder Karst der härtesten Sorte (man erinnere sich an den 11er-Schnitt von Mamleev). Ich komme von Beginn weg gut ins Rennen, fühle mich gut sowohl physisch wie auch technisch. Der erste Wechsel vom offenen, schnellen Gelände in die ruppigen Steinfelder gelingt mir einigermassen gut, doch richtig los geht es erst ab Posten 6. Steine, Löcher, hüfthohes Kraut am Boden verlangen alles ab. Ist etwas vom krassesten, was ich im OL seit langem gemacht habe. Mamleev kann ich knapp Paroli bieten... Ich weiss, dass man hier einfach so gut laufen muss wie es geht, nicht nachlassen, keine grossen Fehler. Dies gelingt mir nicht schlecht, bis auf einen 90'' Fehler bei Posten 18. Auf der Wiese vor Posten 23 sehe ich Erik Andersson, der 4min vor mir gestartet war - ich schätze meinen Rückstand auf etwa 20-30''. Also gebe ich nochmals alles, kann noch einen halben Gang höher schalten, doch es reicht trotzdem nicht mehr. Ich bin Erik zwar immer ein paar Sekunden näher gekommen, aber die schlechte Route zum zweitletzten Posten machte wieder alles zunichte und es bleibt bei den 30'' Rückstand. Aber immerhin, Rang 2 und damit auch Rang 2 im Gesamtklassement, 3'49'' hinter Andersson, 2'05'' vor Pilblad.

--> Karte 2. Etappe

 

3. Etappe

Nach einen nächtlichen Besuch in der slowenischen Hauptstadt Ljubliana geht es am Sonntag nochmals so richtig hart auf hart. Der Abstand zu Andersson ist zu gross und Erik zu stark, um im abschliessenden Jagdstart über die Mitteldistanz eine realistische Chance auf den Sieg zu haben. Ebenso ist das Polster auf Pilblad eher beruhigend. Allerdings ist er ein ausgesprochen guter Jagd-/Massenstartläufer, war er doch z.B. der einzige, der an den schwedischen Ultralang-Meisterschaften Valentin Novikov folgen konnte (Weltnummer 1, der übrigens aus verbandsinternen Gründen definitiv nicht nach Japan an die WM geht!! Ein Skandal.) Ein Schlussspurt gegen Pilblad gilt es also zu vermeiden. 

Doch einmal mehr habe ich mich in einem Lauf mit Gegnerkontakt nicht 100% im Griff, so dass ich bereits zu Beginn zu stark angreife und bereits den ersten Posten 90'' suche!! Beim weglaufen vom 2. Posten sehe ich Pilblad bereits. Das kann es doch nicht sein! Einmal mehr eine gute Chance vergeben! Aber dann besinne ich mich eines besseren und versuche einfach mein Rennen zu laufen. Pilblad kommt zwar etwas näher, aber bei Posten 6 habe ich bereits das Gefühl, dass ich ihn halten, ja sogar wieder etwas distanzieren kann! Dies und die Tatsache, dass ich physisch ein unglaubliches Rohr drauf habe heute, geben mir neues Selbstvertrauen. Auch nach kleinen Fehlern bei Posten 10 und 12 hat er mich noch nicht ganz aufgeholt, aber ich sehe ihn immer wieder. Der Abstand ist noch so gross, dass Jonas mich nicht immer sieht, also auch selbst noch Karte lesen muss und darum seine Laufstärke nicht voll ausspielen kann. Ab Posten 14 glaube ich immer mehr an mich. Diesen 'Sieg' lasse ich mir nicht mehr nehmen! Ich gebe alles, mache keinen Fehler mehr und bringe den 2. Platz sicher nach Hause! Pilblad hat sich dafür mit einem Fehler beim 16. Posten definitiv verabschiedet. Die Zwischenzeiten bestätigen später das Gefühl während des Laufes: ab dem 12. Posten laufe ich praktisch nur noch Bestzeiten oder 2. Ränge. Dieses Erfolgserlebnis hat wieder mal richtig gut getan! Rangliste hier.

--> Karte 3. Etappe

 

Training

Am Sonntag ging es dann gleich weiter nach Kärnten in Österreich, wo wir am Montag einen Longjog auf den Schwarzkogel entlang der slowenischen Grenze machten. Dani und Stefan schienen keine Wettkämpfe in den Beinen zu haben und gaben auf den 1000Hm mächtig Gas! Am Abend folgten die nächsten paar Stunden Autofahrt nach Seefeld, wo wir am Dienstag einen Teil des Langdistanz-Testlaufs von Anfang Juli abliefen. Ohne Karte, alles aus dem Kopf. Ist ziemlich interessant, wie man von gewissen Phasen des Laufes noch jede Kuppe kennt, und von anderen Teilen (eher späteren) schon ziemlich Mühe hat, sich zu erinnern.

Es war eine tolle Reise! Slowenien ist ein wunderschönes Land, von der Natur her ziemlich ähnlich wie die Schweiz. Ich werde wiedermal dorthin gehen. Den orienteeringonline.cup kann ich wärmstens weiterempfehlen. Klein, aber fein!