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Trainingsrekord
2005-03-08
 

750km. 12500 Höhenmeter. 33h. 6 Tage.

 

Mehr ist mehr.

 

 

Aber man kann es auch etwas anders sehen - ich habe einfach die Arbeitsbelastung halbiert. Wie bereits in den letzten News angekündigt, bin ich für eine Woche nach Mallorca ins Privat-TL gereist. Zusammen mit den Seger-Brothers, Bike-O Cracks der ersten Stunde, wurde es eine super Woche, in der ich meine Energie wieder mal in die Beine und nicht nur den Kopf stecken konnte. Mallorca hat nebst Ballermann und so noch vieles anderes zu bieten, unter anderem wunderschöne Berge mit vielen kleinen Strässchen ohne Verkehr, die sich zum Rennvelofahren bestens eignen. Da ich die Kilometerbolzerei mit Corsin vom letzten Jahr noch in bester Erinnerung hatte, musste ich es mir nicht lange überlegen, als das Angebot der Segers kam. Dieses Mal war ich jedoch vorbereitet auf die Kälte und so erstand ich mir bei Philipp's Bike Team, wo wir auch unsere Rennmaschinen mieteten, als erstes gleich mal ein paar Thermo-Schuhüberzüge. Sie sollten mir noch gute Dienste erweisen! Ein grosses Versäumnis hab ich gemacht: die DigiCam zuhause gelassen.

Das Fazit der Woche grad mal vorneweg: es war geil! Und wir haben viel trainiert. Wenn man jeden Tag einige Stunden im Sattel verbringt, hat man viel Zeit zum denken. Unter anderem auch über das Radfahren selbst. Darum also hier eine kurze Einführung für jemanden, der noch nie so richtig die Freuden und Leiden eines Gümmelers erlebt hat. Rennvelofahren ist

  • wenn du nach 3h eigentlich schon müde genug bist, aber trotzdem noch 4h weiterfahren und am Schluss sogar noch einen Berg am Anschlag hochbolzen kannst.
  • wenn du 100km lang nur das Hinterrad deines Kumpels anschaust.
  • wenn du am morgen aufstehst, 'heute fahre ich keinen Kilometer' sagst, weil du so müde bist, und dann trotzdem 160km fährst. Und dich dabei noch gut fühlst.
  • wenn du dich am Abend wieder Mal wie eine richtige Maschine fühlen kannst.
  • wenn du plötzlich die Strasse verschwommen siehst und 5km vor dem Ziel einen massiven Zuckernachschub in Form von Schokolade brauchst, damit du nicht in den Strassengraben fährst.
  • wenn du in einer knappen Woche gut 30 Energieriegel verdrückst.
  • wenn die Beine dermassen sauer sind, dass du kaum noch die Pedale runterdrücken kannst und am liebsten weinend von Rad steigen und flach auf den Asphalt liegen würdest.
  • wenn du auch nach 30h Training in wenigen Tagen am Morgen aufstehen kannst und es nirgendwo zwickt und schmerzt. Das macht Freude.
  • wenn du dich plötzlich wie Lance oder Ulle fühlst und nicht mehr wie Haile oder Kenenisa (nicht dass ich das je hätte...).
  • hart!

 

Tagebuch

--> Übersichtskarte Mallorca

Sonntag, 27.2.05: Anreise. Kaufe mir in Kloten das Buch von Jan Ullrich, damit wir uns vor unseren Touren noch inspirieren lassen können. Das Buch leider am Gate in Zürich liegengelassen... Wir meinen zuerst, der Pilot habe die falsche Insel angeflogen, als wir die Berge (bis 1400m.ü.M.) in weisser Pracht erblicken... Velo mieten, Hotel suchen. Beim Abendessen im Hotel lernen wir auch grad unsern Tischnachbarn kennen. So um die Vierzig, Deutscher (wie die meisten Leute in Paguera, unserem Stützpunkt), Hobby-Radfahrer. Sieht nicht wahnsinnig sportlich aus, ging heute spazieren, weil das Wetter zu schlecht war (nur 7 Grad, aber trocken). Mehr dazu später.

Montag: Einfahren 60km. Bereits bei der ersten Serpentine nach 3km kann ich nicht wiederstehen und greife unwiderstehlich an. Es gibt kaum etwas tolleres, als in einer dieser Kurven kurz aus dem Sattel zu gehen, mit den Waderl ein bisschen zu kicken und dann zu beschleunigen wie Pantani in seinen besten Tagen. Fühle mich erstaunlich gut, auch muskulär, obschon ich im letzten halben Jahr nur etwa 300km auf dem Velo gemacht habe. Aber wie werde ich mich erholen?

Dienstag: Es regnet. Mit Thermo-Schuhüberzügen kein Problem. Die erste 100km Tour, teilweise der Nordküste entlang. Auch bei diesem Wetter super schön! 

Mittwoch: Marathon C, 135km. War letztes Jahr die längste Tour. Nach 50km ein gesteigertes Bergzeitfahren an einem 350er-Pässchen.. Puls Max 160. Konnte das Tempo die ganzen 5h30 gut durchziehen. 

Donnerstag: "Ruhetag". Hätte es eigentlich werden sollen, aber das Wetter war so gut, da konnte ich nicht wiederstehen und musste einfach noch eine Zusatzschlaufe der Nordküste entlang machen. 90km. Am Abend erzählt uns unser Tischnachbar, dass er "auf die Strasse nach Sa Calobra hinunter geschaut hat". Bei mir dauerts einen Moment, bis ich realisiere: Sa Calobra ist nicht gleich um die Ecke... In dem Moment fügt er auch noch gleich an, dass er heute 164km gemacht habe und es eigentlich ganz gut ging, er aber halt schon den ganzen Tag dafür gebraucht habe... der Typ kriegt ab jetzt den Übernamen "Achim" von uns (von Bikelegende Achim Zahn alias Serac Joe, der all die Höhenmeter gar nicht mehr zählen kann, die er in all den Jahren gemacht hat). Später auf dem Zimmer fallen die folgenschweren Sätze: "Das kann es nicht sein! Jungs, wir müssen Marathon A machen!".

Freitag: Es regnet in Strömen. Da ich die Anstrengungen der letzten Tage langsam spüre, hätte ich mich einmal kurz umgedreht im Bett und dann weitergepennt. Aber Simon hat grosses vor im Bike-O dieses Jahr und bleibt hart. Marathon B. 165km. Mit etwas Verspätung starten wir also doch und sehen den ganzen Tag lang keinen einzigen Regentropfen. Am letzten 250er-Pässchen des Tages nach 150km testet uns Simon mit einem flotten 20er auf der 5-7% steilen Strasse. Test bestanden. 5min bevor es ganz dunkel wird sind wir zuhause.

Samstag: Bleibt also noch Marathon A. 204km. Eine ganze Runde um die nördliche Hälfte der Insel. In der Abfahrt vom ersten Pass nach 15km werden wir von einem älteren Herr überholt. Er wird im nächsten Anstieg aber wieder locker gestellt und wir plaudern ein bisschen. 64 sei er, mache in 2 Wochen sein erstes Rennen der Saison über 100km. In einer Kurve greift er plötzlich an, gibt dieses Vorhaben aber relativ rasch wieder auf. Mit dem Beat Gfeller sei er dann übrigens vor ein paar Jahren von Deutschland nach Barcelona gefahren. (Beat Gfeller ist drei Mal das Race Across America, 5000km in 10 Tagen, gefahren. Da war in Tele Züri vor ein paar Jahren eine Reportage darüber, Stichwort Nackenstütze, Kopf nach hinten tapen, rohes Fleisch am Gesäss, Einschlafen und in Strassengraben fahren, etc. Einige werden sich erinnern.) Und ja, er (unser 64jähriger Kollege) mache auch immer noch 20'000 km im Jahr (man rechne...). Und weg ist er in der nächsten Abfahrt. Die ersten 60km haben wir im Nu, dann muss leider Michi aussteigen wegen Achillessehnenproblemen. Der mit 850Hm längste Anstieg zum höchsten Punkt der Tour geht noch locker vom Hocker. Wir werden überholt von einem mit Schweizerkreuz auf dem Rücken. Mir kommt der Typ irgendwie bekannt vor (Triathlet?), kann ihn aber nicht zuordnen. Kurz unterhalb der Passhöhe steht er am Strassenrand und fragt in reinem Hochdeutsch, wie weit es denn noch sei bis nach oben... Von seinem Kollegen, den wir früher überholt haben und bei dessen Phonak Trikot "Oskar Camenzind" auf dem Rücken steht, erfahren wir, dass man so ein Nati-Trikot auch im Laden kaufen kann ("wir sind grosse Fans von euch!").

Ab jetzt wird es für mich vorallem mental hart. Die 200er Grenze ist bei mir im Kopf irgendwie eine Barriere, denn ich bin noch nie so weit gefahren und habe grossen Respekt davor. Als wir nach 5h30 und 110km (allerdings mit fast den gesamten 3000 Hm) in Pollensa am anderen Ende der Insel ankommen, ist das Ziel noch weit weit weg. Ich bin auch sonst ziemlich platt, habe die erste Krise diese Woche... Aber zum Glück scheint Simon, der im Lauf der Woche immer besser in Fahrt kam, einen guten Tag zu haben! Die letzten 90km sehe ich nicht mehr viel anderes als sein Hinterrad... und die Spielchen am letzten Pass lassen wir diesmal auch sein (merci Simon ;-)).Wiederum 10min bevor es ganz dunkel wird kommen wir in Paguera an. 8h45 Fahrzeit. Und auf dem Tacho steht eine 2 an der ersten Stelle. Erfüllt.

 

Marathon

Ursprünglich war mal geplant, in Mallorca im Hinblick auf den Marathon auch mehr laufen zu gehen. Weil Radfahren einfach zuviel Spass gemacht hat, sind es jetzt halt nur Rad-Km geworden. Jetzt gilt es diese Ausdauer jedoch ins Laufen umzusetzen. Allerdings war die Leistung am Reusslauf dermassen schlecht und enttäuschend, dass ich am Marathon-Projekt zu zweifeln begonnen habe. Als Ausrede für die schwache Leistung am Reusslauf herhalten muss im Moment noch die zu grosse Arbeitsbelastung im Vorfeld und das nach wie vor nicht optimale Umfeld für Spitzensport. Ich gebe mir noch eine, höchstens zwei Chancen, und das sind der Kerzerslauf in 2 Wochen und ev. ein Wettkampf am letzten März-Wochenende. Wenn dort kein befriedigendes Resultat rausschaut, gehe ich über die Bücher und muss mich definitiv fragen, ob das ganze Sinn macht. Was mich jedoch im Moment noch zuversichtlich stimmt ist die Tatsache, dass ich in Mallorca bereits nach zwei Tagen Abschalten und endlich wieder mal gut schlafen Kraft und Energie wie fast in meinen besten Zeiten verspürte. Und das auf dem Rad, was ich seit letztem Sommer kaum trainiert habe. So schlecht kann es also doch nicht stehen um mich. Wir werden sehen.