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Gedanken zur Saison
2004-10-31
 

Hier einige Gedanken zur vergangenen Saison.

Zielsetzungen

2004 stand ganz im Zeichen der WM in Schweden. Nach dem 7. Platz an der WM Schweiz setzte ich mir einen Rang in den ersten 10 in einem Einzellauf zum Ziel. In Skandinavien ist das ein hohes Ziel, denn es hat noch nicht so viele Schweizer gegeben, die das erreicht haben. Dessen war ich mir bewusst, doch sollte ich an die Form vom Sommer 2003 anknüpfen können, war es meiner Meinung nach ein realistisches Ziel. Um mich möglichst gut darauf vorbereiten zu können, beschloss ich schon bald, auf die EM Mitte Juli (zwei Monate vor der WM) zu verzichten. Da auch das Gelände in Dänemark nicht unbedingt auf mich zugeschnitten ist, fiel mir dieser Entscheid relativ leicht. Zweites Saisonziel war die Studenten-WM im Juni. Ich wollte dort eine Medaille in einem Einzellauf und in der Staffel gewinnen. Übergeordnetes Ziel war es, nach Jahren der ständigen Verletzungen endlich wieder mal längere Zeit ohne Unterbrüche gut trainieren zu können.

Winter und Schwedenaufenthalt

Mit der erfolgreichen WM 2003 im Hinterkopf startete ich ausserordentlich motiviert ins Wintertraining. Verletzungen konnte ich vermeiden, und da ich gleichzeitig von Oktober bis März die Diplomarbeit an der ETH machte und deshalb gezwungen war, die (Trainings-)Zeit effizient zu nutzen, war auch die Qualität des Trainings sehr gut. Bemerkbar machte sich das in einer guten Form den ganzen Winter hindurch. Anfang März schloss ich an der ETH ab und eröffnete die Saison an der Park World Tour in Italien mit einem 15. Rang. Danach packte ich meine Sachen und ging für zweieinhalb Monate nach Linköping in Schweden, um das schwedische Gelände intus zu bekommen, damit ich mich dort im Herbst zuhause fühlen würde. Vom ETH-Profi zum OL-Profi sozusagen. Aus Erfahrung wusste ich aber, dass mir den ganzen Tag lang nur im OL im Kopf haben gar nicht gut bekommt, und drum suchte ich bereits vorher eine Arbeit, ca. 50%. Die fand ich auch, ich arbeitete halbtags bei einer Autovermietung und wurde zum Autowasch-Experten! Wie ich dazu gekommen bin? Nun, dem Präsident vom Linköpings OK (LOK) gehört die Autovermietung und so kam ich zu diesem zwar anspruchslosen aber flexiblen Job, mit dem ich nebst dem Training ein paar Stunden am Tag beschäftigt war und auch noch gleich die Lebenskosten decken konnte. Und es hat auch Spass gemacht! Auch wenn ich das nicht unbedingt länger machen möchte, denn man hat relativ schnell ausgelernt...

Trainiert habe ich gut, dank LOK hatte ich gute Trainings- und Wettkampfangebote. Allerdings blieben die erhofften (OL-)Leistungen mehrheitlich aus, der 6. Rang auf der Tiomila-Startstrecke und einige andere Staffeln waren Highlights, aber gerade an den sehr stark besetzten Läufen der Elitserien enttäuschte ich des öftern. Irgendwie fehlte der Biss, wie ich ihn im Winter noch gehabt hatte. Gegen Ende des Nordlandaufenthalts machte sich auch eine Art Lagerkoller bemerkbar, ich verlor die Motivation auf OL, wollte in die Berge gehen, velofahren, biken, Bergläufe machen. Dies sind Zeichen, dass ich wohl einmal mehr nicht klar gekommen bin mit dem Alltag, in dem OL die Hauptbeschäftigung ist. Mir fehlte eine andere Herausforderung. Trotz allem, ans Gelände in Schweden hatte ich mich gewöhnt, und das war im Grunde genommen das Hauptziel dieses ersten Nordland-Trainingsblock.

Studenten-WM

Im Juni standen die EM/Studenten-WM Testläufe auf dem Programm, die ersten Wettkämpfe überhaupt in dieser Saison, wo jeder die Karten aufdeckte. Obwohl es für mich "nur" um die Studenten-WM ging, waren mir diese Wettkämpfe sehr wichtig. Sie sollten für mich Bestätigung der Fortschritte des Winters sein, Hauptprobe für die Studenten-WM in ähnlichem Gelände, und ich wollte mich auch "inoffiziell" für die EM qualifizieren und damit zeigen, dass mit mir zu rechnen ist. Die Selektionsläufe waren ok, nicht schlecht aber auch nicht der Hammer. Für die Stud-WM reichte es erwartungsgemäss gut, EM wär wohl knapp geworden. An der Studenten-WM reichte es mit einem guten Lauf zu einem 7. Rang in der Langdistanz und einem schlechten Lauf über die Mitteldistanz zum 11. Rang. In der Staffel waren wir weit entfernt von der angepeilten Medaille, unter anderem wegen meiner schwachen Leistung auf der Startstrecke. Fazit: Ziel Einzel- & Staffelmedaille verpasst. Es war ein hohes Ziel, aber zumindest im Mittel und auch in der Staffel wäre es durchaus möglich gewesen. Wahrscheinlich wollte ich jeweils etwas viel am Wettkampftag. Zusätzlich behindert (allerdings minimal) wurde ich von einer Fussverletzung, die nach den Testläufen bis zur Stud-WM (10 Tage) kaum Lauftraining zuliess. Die erste Saisonhälfte ist also recht ernüchternd verlaufen.

Weltmeisterschaften

Langsam wurde aber das Saisonziel WM so richtig greifbar, und so nahm auch die Motivation und Zielstrebigkeit, die Effizienz im Training wieder deutlich zu. Ich sagte mir immer (und jetzt glaubte ich das auch wirklich wieder!), dass nun jeder Tag, jedes Training entscheidend sein würde, um an der WM gut abzuschneiden. Mit 10 Tagen Pässefahren mit dem Rennvelo schuf ich mir eine erste Basis für die zweite Saisonhälfte. Danach folgten weitere vier Wochen Training in Schweden, wo ich mir den letzten Schliff für die Testläufe und auch für die WM holen wollte. Ich trainierte zwar gut, aber die ultimative Sicherheit, das "sich-zuhause-fühlen", konnte ich mir nie ganz erarbeiten. An den Selektionsläufen Ende August konnte ich einmal eine optimale (Mittel, 6. Rang) und einmal eine gute (Lang, 3. Rang) Leistung abrufen und mich für die WM qualifizieren, womit ich natürlich sehr zufrieden war. Der erste Schritt war getan. Die Leistungen im WM-Trainingslager waren schon  nicht ganz so, wie ich es gerne gehabt hätte, aber schon öfters konnte ich mich erst dann richtig zusammennehmen, wenn es wirklich zählte, ich war also nicht speziell beunruhigt. Nun, nach der Leistung an der WM bin ich der Meinung, dass vielleicht etwas mehr Beunruhigung gut getan hätte. Sang und klanglos ausgeschieden in der Qualifikation, zuwenig Selbstvertrauen und technische Sicherheit waren die Gründe. Die Unsicherheiten in den Trainings der unmittelbaren Vorbereitung waren eben doch nicht so harmlos wie damals gedacht. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer, das einzige was man tun kann, ist, daraus zu lernen. Mit ein bisschen Distanz betrachtet ist dies jedoch wohl nicht der einzige Grund, warum es nicht geklappt hat. In der ganzen Vorbereitung, von März bis September, fehlte irgendwie das Feuer, die Motivation, alles zu geben für dieses eine Ziel. In Finnland 2001 und letztes Jahr in der Schweiz war das ganz anders. Auch das spezielle Gefühl an der WM selbst war für mich nicht zu vergleichen mit den anderen Weltmeisterschaften, vielleicht auch, weil es bereits meine 3. WM war, also nicht mehr ganz so neu und speziell wie die letzten Male. Allerdings ist die Wahrnehmung natürlich durch die eigene Leistung stark geprägt.

Nach der WM hatte ich so ziemlich genug vom OL. Natürlich hat das schlechte Abschneiden nicht gerade zur Motivation beigetragen, aber auch die Tatsache, dass ich von März bis Oktober praktisch immer OL-Profi war, führte zu Abnützungserscheinungen. Aus diesem Grund habe ich die Saison Anfang Oktober beendet. Am Trainingslager in Japan Anfang November werde ich nicht teilnehmen, aus zwei Gründen: 1. arbeite ich seit dem 1. Oktober und möchte jetzt nicht schon 10 Tage weg sein. 2. habe ich noch nicht wieder die Motivation für 10 Tage intensives Trainingslager und lange Reisen. Der Verzicht auf das TL soll aber in keiner Weise bedeuten, dass ich kein Interesse an der WM Japan hätte. Aus Erfahrung weiss ich jedoch, dass Training nichts bringt oder sogar kontraproduktiv sein kann, wenn man nicht mit ganzem Herzen dabei ist, und das bin ich im Moment noch nicht.

Fazit der Saison

Ich habe sowohl an der WM wie auch an der Studenten-WM meine Ziele nicht erreicht. Die Ziele waren hoch, aber durchaus erreichbar, obschon an der WM wohl alles hätte stimmen müssen für den Top10 Platz. Damit ist die Saison gesamthaft gesehen enttäuschend verlaufen. Es gab einige gute Leistungen, der 7. Rang über die Langdistanz an der Stud-WM und die WM-Testläufe. Auch der 6. Rang auf der Startstrecke am Tiomila und der 3. Rang an der 2. Etappe am O-Ringen waren nette Zugaben. Alles in allem aber magere Resultate. Positiv jedoch waren die (physischen) Fortschritte im letzten Winter, die ich aber leider nie nie wirklich umsetzen konnte.

Nebst dem OL habe ich im März mein Informatik-Studium an der ETH Zürich abgeschlossen. Seit dem 1. Oktober bin ich wieder dort, diesmal aber als Assistent und Doktorand.